Das Jahr im Weinberg

  Andreas Weisbrod  
Januar - Februar
Rebschnitt & Herausziehen der Reben
Im Frühjahr kümmern wir uns um den Rebschnitt. Alle Weinstöcke - und das bei uns in der Pfalz ca. 4000 pro hektar(1) Weinbergsfläche - werden auf ein bis zwei Ruten zurückgeschnitten. Von den grünen Trieben des Vorjahres, ca. 10 - 12 pro Rebstock, bleiben nur noch ein bis zwei Stück 'stehen'. Der Rest wird im nächsten Schritt per Hand aus der Reihe 'herausgezogen' und in der Weinbergsgasse 'abgelegt'.

Für den Rebschnitt sind ca. 5 und für das Herausziehen ca. 10 Schnitte pro Stock nötig. Die Arbeit ist körperlich anstrengend und zeitaufwendig (ca. 2,5 Stunden pro Reihe á 200 m = 65 Arbeitskraftstunden/ha).


März
Häckseln | Biegen & Anbinden der Reben
Nach dem Häckseln der herausgezogenen Reben in den begrünten Weinbergsgassen, mittels Traktor und Schlegelmulcher, werden die verbliebenen 'Ruten' der Rebstöcke (siehe oben) auf bzw. um den 'Biegdraht' gebogen und mit einer Drahtschnur fixiert. Aus Umweltschutzgründen verwenden wir nur Schnüre ohne Kunststoff-Ummantelung!

Der Draht wird vor dem Biegen auf seine Spannung kontrolliert und zu lang geschnittene Reben müssen anschließend gekürzt werden. Arbeitszeitbedarf: ca. 0,75 Stunden/Reihe á 200 m.

April
Weinbergspflege
Im April erfolgt die Pflege des Weinbergsbodens. Ziel ist es die Wasserreserven bis zum Sommer zu erhalten.
  1, Die Winterbegrünung wird gemulcht (Erster Schnitt)
  2, Von den Arbeiten im Vorjahr verdichtete Gassen werden gelockert
  3, Der Bewuchs unter den Stöcken wird über Sommer entfernt

Mai
Rebaustrieb und -wachstum
Die stärker werdende Sonnenstrahlung und die längeren Tage führen ab ca. 10°C zu einem schnellen Austrieb der Reben. Das phänologische Jahr beginnt ...


Weinbergs-Lexikon
1. Ein Hektar [ha]  = 10.000 qm Fläche (entspricht einem Quadrat mit 100 m Seitenlänge).
Die Vermessung erfolgt nach 'Kartenansicht', d.h. bei einem vorhandenen Gefälle wird die tatsächliche Fläche größer (-> 'Satz des Pythagoras'). Besonders ausgeprägt ist diese Differenz bei Seillagen (2).

2. 'Steillage'
Mit zunehmendem Gefälle im Weinberg wird die Bearbeitung anstrengender und gefährlicher. Als Steillage gelten Weinberge ab 30% Steigung, gemessen vom untersten zum obersten Punkt einer Rebzeile. Eine Besonderheit in einer Steillage sind Terrassenweinberge (3).
'30 Prozent Steigung': Pro Meter Wegstrecke in Hangrichtung entstehen 0,3 Meter (30 cm) Höhendifferenz.

3. 'Terrassenweinberge'
Durch planierte 'Terrassen' innerhalb einer Steillage entstehen rel. gerade Flächen quer zur Hangrichtung. Dies erleichtert die Bearbeitung.

Übrigens: Wenn Sie denken, dass es in der Pfalz keine Steillagen gibt, dann wandern Sie von der Hainfelder Ortsmitte ca. 2 km entlang des Modenbach in Richtung Pfälzerwald. Kurz vor dem Wald können Sie dort spektakuläre Weinberge auf Schiefergesteinsböden besichtigen (siehe Wander-Tipp "Aussichtsterasse Modenbachtal").
 


Wander-Tipp
Von Hainfeld zur "Aussichtsterrasse Modenbachtal"

Ihre Wanderungen können Sie gratis bei Outdooraktive planen und als Tour veröffentlichen.