Das Jahr im Weinberg

  (c) Andreas Weisbrod, 29.11.2021  
Januar - Februar
Rebschnitt & Herausziehen der Reben
Im Frühjahr kümmern wir uns um den Rebschnitt. Alle Weinstöcke - und das bei uns in der Pfalz ca. 4000 pro hektar(1) Weinbergsfläche - werden auf ein bis zwei Ruten zurückgeschnitten. Von den grünen Trieben des Vorjahres, ca. 10 - 12 pro Rebstock, bleiben nur noch ein bis zwei Stück 'stehen'. Der Rest wird im nächsten Schritt per Hand aus der Reihe 'herausgezogen' und in der Weinbergsgasse 'abgelegt'.

Für den Rebschnitt sind ca. 5 und für das Herausziehen ca. 10 Schnitte pro Stock nötig. Die Arbeit ist körperlich anstrengend und zeitaufwendig (ca. 2,5 Stunden pro Reihe á 200 m = 65 Arbeitskraftstunden/ha).


März
Häckseln | Biegen & Anbinden der Reben
Nach dem Häckseln der herausgezogenen Reben in den begrünten Weinbergsgassen, mittels Traktor und Schlegelmulcher, werden die verbliebenen 'Ruten' der Rebstöcke (siehe oben) auf bzw. um den 'Biegdraht' gebogen und mit einer Drahtschnur fixiert. Aus Umweltschutzgründen verwenden wir nur Schnüre ohne Kunststoff-Ummantelung!

Der Draht wird vor dem Biegen auf seine Spannung kontrolliert und zu lang geschnittene Reben müssen anschließend gekürzt werden. Arbeitszeitbedarf: ca. 0,75 Stunden/Reihe á 200 m.

April
Weinbergspflege
Im April erfolgt die Pflege des Weinbergsbodens. Ziel ist es die Wasserreserven bis zum Sommer zu erhalten.
  1, Die Winterbegrünung wird gemulcht (Erster Schnitt)
  2, Von den Arbeiten im Vorjahr verdichtete Gassen werden gelockert
  3, Der Bewuchs unter den Stöcken wird über Sommer entfernt

Zur Monatsmitte werden die Pheromondispenser per Hand entlang der Weinbergsreihen ausgehängt. Die Helfer absolvieren hierfür einen wahren Weinbergsmarathon, um an einem Tag alle Weinberge der Umgebung mit den Duftstoffen zu bestücken.

Neue Jungfelder
Ab dem Monatsende werden die jungen Reben aus dem Kühlhaus der Rebschule abgeholt und in die frisch gerodeten Weinberge eingepflanzt.

Mai
Rebaustrieb und -wachstum
Die stärker werdende Sonnenstrahlung und die längeren Tage führen ab ca. 10°C zu einem schnellen Austrieb der Reben. Das phänologische Jahr beginnt ...

Juni - August
Triebwachstum - Rebenblüte - Traubenreife
Die schönsten Sommermonate sind im Weinberg von einem schnellen, starken Wachstum der Weinreben geprägt. Der Winzer passt seine Arbeitszeit an die Tageslänge an, um möglichst termingerecht alle Laub- und Bodenarbeiten bewältigen zu können.

September
Traubenlese
Mitte September startet die Hauptlese der Weintrauben. Man sieht jetzt man überall Vollernter und Traktoren mit Trauben- und Tresteranhängern durch die Weinberge fahren. Zahlreiche Lesehelfer ernten von früh bis spät die Trauben und sind mit dem Pressen und Vergären beschäftigt. Aus dem Weinkeller strömt der Duft des neuen Weines.
 

Oktober
Leseabschluß
Nach der Weinlese (Mitte bis Ende Oktober) werden die schönen Tage im Weinberg für das Herunterlegen des unteren "Fangdraht"-Paares genutzt. Dies erleichtert den darauf folgenden Schnitt. Dabei werden auch gleich noch die leeren Pheromondispenser entlang der Rebzeilen eingesammelt.

Wußten Sie schon?
Für einen Weinberg benötigt man 6 - 7 Drähte, mit denen das Weinlaub in Spalierform gehalten wird. Für 1 ha Rebfläche werden somit 30 bis 35 km Draht und ca. 800 Spalierpfähle benötigt.

November
Blattfall und Holzreife
Nach der Weinlese bereiten sich die Reben auf die Winterruhe vor. Die mobilen Reservestoffe in den grünen Trieben und Blättern werden in den Holzkörper der Rebstöcke zurückverlagert.

Nach dem Blattfall kann der Rebschnitte beginnen.


Weinbergs-Lexikon
1. Ein Hektar [ha]  = 10.000 qm Fläche (entspricht einem Quadrat mit 100 m Seitenlänge).
Die Vermessung erfolgt nach 'Kartenansicht', d.h. bei einem vorhandenen Gefälle wird die tatsächliche Fläche größer (-> 'Satz des Pythagoras'). Besonders ausgeprägt ist diese Differenz bei Seillagen (2).

2. 'Steillage'
Mit zunehmendem Gefälle im Weinberg wird die Bearbeitung anstrengender und gefährlicher. Als Steillage gelten Weinberge ab 30% Steigung, gemessen vom untersten zum obersten Punkt einer Rebzeile. Eine Besonderheit in einer Steillage sind Terrassenweinberge (3).
'30 Prozent Steigung': Pro Meter Wegstrecke in Hangrichtung entstehen 0,3 Meter (30 cm) Höhendifferenz.

3. 'Terrassenweinberge'
Durch planierte 'Terrassen' innerhalb einer Steillage entstehen rel. gerade Flächen quer zur Hangrichtung. Dies erleichtert die Bearbeitung.


Übrigens: Wenn Sie denken, dass es in der Pfalz keine Steillagen gibt, dann wandern Sie von der Hainfelder Ortsmitte ca. 2 km entlang des Modenbach in Richtung Pfälzerwald. Kurz vor dem Wald können Sie dort spektakuläre Weinberge auf Schiefergesteinsböden besichtigen (siehe Wander-Tipp "Aussichtsterasse Modenbachtal").